
Auseinandersetzung:
Stärke vs. Schwäche
Was muss geschützt werden?
Was wollen wir sehen?
Welches Bild wollen wir sehen?
Was müssen wir schützen?
Was wollen wir nicht sehen?
Was ertragen wir zu sehen?
Welchem Bild wollen wir glauben?
kontakt.
The End is Fear.
Was geschieht, wenn Schutz selbst zur Bedrohung wird?
Die Holzskulpturen von Sabrina Ferwagner bewegen sich an den Grenzen zwischen Sicherheit und Verletzlichkeit, Anziehung und Abwehr, Stabilität und Kontrollverlust. Ihre Formen scheinen sich zu schützen: Sie bilden Hüllen, Höhlen und geschlossene Körper, entwickeln Zähne, Spitzen und Widerstände. Doch gerade diese Schutzmechanismen erzeugen eine eigentümliche Ambivalenz. Was bewahrt, kann verletzen. Was Sicherheit verspricht, kann zur Falle werden.
Immer wieder führt Ferwagner den Blick ins Innere. Unter einer scheinbar geschlossenen Kuppel lauern Spitzen. Eine Schale verliert ihre bergende Funktion und wird zum gefährlichen Raum. Massive Körper öffnen sich, während scharfkantige Formen nach innen wie nach außen drängen. Andere Arbeiten suchen das Gleichgewicht – und machen gerade dadurch sichtbar, wie fragil Stabilität sein kann.
Auch der menschliche Körper erscheint nicht als souveräne, unversehrte Gestalt. Er wird reduziert, verschlossen, aufgerichtet oder der direkten Lesbarkeit entzogen. Verletzlichkeit zeigt sich nicht in einer erzählten Situation, sondern in Haltung, Material und Form.
Das Holz bleibt dabei stets gegenwärtig. Maserung, Risse, Verwachsungen und Spuren der Kettensäge werden nicht geglättet oder verborgen. Ferwagner arbeitet mit dem Widerstand des Materials. Schnitte bleiben Schnitte. Aus dem gewachsenen Körper des Baumes entstehen neue Körper, deren Verletzungen Teil ihrer Gestalt sind.
The End is Fear. bezeichnet deshalb keinen Zustand und keine eindeutige Antwort. Der Titel markiert einen Kipppunkt: den Moment, in dem Angst Schutz verlangt – und Schutz selbst beginnen kann, Angst hervorzubringen.
Vielleicht endet Angst nicht dort, wo keine Gefahr mehr existiert.
Vielleicht endet sie dort, wo wir aufhören, uns vor jeder Verletzlichkeit schützen zu wollen.




HOSTAGE.
Zuweilen wird die Welt ganz klein, als lebte man unter einer Glocke.
Die eigenen Gedanken, die eigenen Gefühle drücken zu Boden, umzingeln, nehmen den Raum. Was Teil von uns ist, wird plötzlich zur Bedrohung, legt sich wie eine Fessel um uns, macht uns klein.
Der Schutz, den wir uns geschaffen haben, wird zum Panzer. Der Rückzug zum Gefängnis.
Und irgendwann bleibt nur die Frage:
Was vermag uns aus diesem Kerker, aus unserem eigenen Panzer, zu befreien?


MY INNER SAFE SPACE
Von außen eine runde Form.
Geschlossen. Ruhig. Fast geborgen.
Doch unter der schützenden Hülle wächst etwas anderes.
Spitzen erheben sich im Inneren.
Still. Wartend.
Die Bedrohung kommt nicht von außen.
Sie ist längst Teil des Raumes.
Was mich schützen sollte, wendet sich gegen mich.
Geborgenheit wird Enge.
Rückzug wird Falle.
Sicherheit wird Angst.
Und je länger ich bleibe, desto weniger weiß ich:
Schützt dieser Raum mich noch oder hält er mich längst gefangen?


Grenzmarke Tod.
Diese Skulptur steht wie ein archaisches Signal – aufgerichtet, unbeweglich, wachsam. Die Form erinnert an einen Grenzpfahl, doch ihre Sprache ist radikaler: Sie ist nicht nur Markierung, sie ist Warnung. Die gezackte Seite – wie Zähne oder Widerhaken – wirkt nicht zufällig aggressiv. Sie ist Ausdruck einer letzten Schwelle, die nicht überschritten werden darf.
Psychologisch lässt sich „Grenzmarke Tod“ als ein Symbol für das absolute Nein verstehen – die Stelle, an der der Mensch seine innerste Verwundbarkeit schützt, nicht mit Worten, sondern mit Strukturen. Die Skulptur verkörpert eine Verteidigungsform, eine letzte Bastion gegen Überwältigung, Übergriff oder Auslöschung.
Der massive Sockel steht für das Unverrückbare, das Geerdete – vielleicht auch das Unbewusste, aus dem diese Struktur aufragt. Der aufrechte Körper ist wie eine Wirbelsäule: angespannt, aufrecht, doch nicht lebendig. Und die Zacken sind nicht nur scharf, sondern ein Ausdruck von verinnerlichter Gewalt – Gewalt, die einst kam und nun in Schutz verwandelt wurde.
„Grenzmarke Tod“ ist keine Darstellung des Todes selbst – sondern des inneren Ortes, wo das Leben aufhört, sich mitzuteilen. Es ist die psychische Linie, an der Verbindung endet und Reaktion beginnt. Sie markiert nicht nur eine Grenze zwischen Ich und Welt, sondern auch zwischen Nähe und Trauma.
Die Skulptur bleibt stumm. Aber genau in dieser Stummheit liegt ihre Wucht. Sie ist nicht Ausdruck eines Gefühls – sie ist die Form gewordene Folge.

LEAVE THE WAR WITH ME.
Manche Kämpfe hinterlassen keine Wunden, die andere sehen können.
Sie werden im Inneren geführt.
Gegen das eigene Denken. Gegen Zweifel, Urteile, Erinnerungen.
Gegen etwas, das längst vergangen ist und trotzdem nicht aufhört.
Wir lernen, uns zu schützen.
Werden hart, werden kantig, richten unsere Spitzen nach außen und manchmal gegeneinander.
Bis einer müde wird.
Dann braucht es keinen weiteren Kampf.
Keinen Sieger. Keine Rechtfertigung.
Nur jemanden, der sagt:
Du musst das nicht mehr tragen.
Leave this war with me.



When 2 become one. Doomed & Khali
Zwei Körper. Zwei Kräfte.
Er in Dunkelheit versunken. Sie im Feuer geboren. Und doch: Vielleicht schaffen sie es.
Kann es sein, dass aus diesem Chaos etwas Sinnvolles entsteht? Dass der Impuls der Liebe – zart, vielleicht sogar unbeholfen nicht nur berührt, sondern verändert?
Vielleicht ist sie nicht verloren. Vielleicht ist auch er nicht endgültig verurteilt. Vielleicht ist da etwas zwischen ihnen nicht laut, nicht sicher, aber wirklich.
Oft scheitern Verbindungen. Und doch lassen wir die Hoffnung, dass ausgerechnet diese zwei es schaffen könnten.
In ein gemeinsames Leben: nicht perfekt, aber wahr. Mit radikaler Akzeptanz. Mit einer Liebe, die nicht bloß wärmt, sondern leuchtet. So stark, dass sie Räume füllt, Wände durchdringt und die vernarbten Herzen öffnet damit Licht aus ihnen und Licht in sie scheinen kann.
Es bleibt hart. Weil niemand das abstreifen kann, was vorher war. Weil Narben bleiben.
Jonas - Sad Body.
Die Skulptur wirkt wie eingefroren in einem Moment zwischen Sein und Gefühl. Die groben Spuren auf ihrer Oberfläche erzählen von einem inneren Ringen – nicht laut, aber spürbar. Es fehlt etwas: Freude, Farbe, Sinn. Doch das Fehlen selbst ist schon Teil ihrer Geschichte.
Jonas hat die Leere angenommen. Kein Aufbegehren mehr, kein Hoffen – aber auch kein Frieden. Es ist ein ruhiges Akzeptieren, das nicht tröstet. Ein Zustand, der weder Schmerz noch Glück kennt, sondern einfach nur ist.
Die Farben des Lebens – sie sind verblasst. Und doch steht er da. Fest. Ohne Antwort, aber auch ohne Flucht. Vielleicht liegt darin eine stille Stärke. Vielleicht auch einfach nur Müdigkeit.


